Korfu vom Wasser aus

Blick von der Alten Festung über die Bucht von Garitsa auf den Yachthafen von Korfu-Stadt

Die schönsten Buchten der Nordostküste – und wie Du ohne Segelschein hinkommst

Es gibt diesen Moment auf Korfu, an dem man die Insel plötzlich anders sieht. Nicht von der Küstenstraße aus. Nicht von einer Aussichtsplattform mit Souvenirstand daneben. Sondern vom Wasser. Die Zypressen reichen bis ans Ufer, dahinter steigt der Pantokrator auf, und in der Bucht liegen drei, vier Boote im türkisen Flachwasser. Kein Parkplatz. Kein Weg. Nur Wasser.

Wir haben ziemlich lange gebraucht, bis wir Korfu so entdeckt haben. Und ärgern uns bis heute darüber. Deshalb dieser Beitrag: Welche Buchten lohnen sich wirklich, wie kommt man hin – und was solltest Du vorher wissen?

Warum die Nordostküste die spannendste Ecke ist

Zwischen Nissaki und Kassiopi liegt der Küstenabschnitt, den Einheimische gern Kensington-on-Sea nennen. Steile grüne Hänge, kleine Kiesbuchten, dazwischen Tavernen, die man vom Land aus kaum vernünftig erreicht. Genau das macht sie so ruhig.

Agni ist der Klassiker. Drei Tavernen, eine Handvoll Bojen davor, glasklares Wasser. Wer per Boot kommt, bekommt bei den meisten Tavernen die Mooring kostenlos, wenn man dort isst. Kalami kennen viele wegen des weißen Hauses am Felsen, in dem der Schriftsteller Lawrence Durrell wohnte. Und Kouloura ist im Grunde nur ein winziger Naturhafen mit Zypressen drumherum – aber vermutlich das meistfotografierte Motiv der ganzen Insel.

Der große Unterschied zum Landausflug: Du bist morgens um neun da. Nicht mittags um eins, wenn die Bootstouren einfallen.

Einfahrt in den Fährhafen von Korfu mit der Fähre Kerkyra am Kai

Variante 1: Das kleine Boot für einen Tag

Für die Nordostküste reicht ein Motorboot völlig. In Kassiopi, Agios Stefanos und Nissaki vermieten mehrere Anbieter Boote mit 15 bis 30 PS, die in Griechenland führerscheinfrei gefahren werden dürfen. Du bekommst eine kurze Einweisung, eine Karte mit den Buchten und eine Handynummer für den Notfall.

Rechne mit rund 80 bis 140 Euro für den Tag, Sprit wird meist nach Verbrauch abgerechnet. Fahr früh los. Ab dem späten Vormittag frischt der Wind aus Nordwest auf, und dann wird die Rückfahrt gegen die Welle ungemütlich.

Gut zu wissen: Führerscheinfrei heißt nicht sorgenfrei. Kläre vorher, ob Deine Reiseversicherung Bootsunfälle einschließt. Wir haben dazu einen ausführlichen Beitrag über die Auslandskrankenversicherung für Griechenland geschrieben.

Variante 2: Eine ganze Woche unterwegs

Wer ohne eigenen Schein unterwegs sein möchte, kann eine Yacht ab Korfu mit Skipper chartern – der Skipper übernimmt Navigation und Anlegen, Du machst den Rest. Für Familien mit Kindern ist das oft die entspannteste Lösung, weil die Tagesetappen zwischen 10 und 25 Seemeilen bleiben und immer genug Zeit für eine Badepause bleibt.

Ausgangspunkt ist fast immer die Marina Gouvia, etwa sieben Kilometer nördlich von Korfu-Stadt und keine 15 Minuten vom Flughafen entfernt. Sie war die erste private Marina Griechenlands, hat über 1.000 Liegeplätze und ist inzwischen von D-Marin übernommen und modernisiert worden. Supermarkt, Werft, Tankstelle, Tavernen – alles direkt an den Stegen.

Korfu-Stadt von der Seeseite

Was viele unterschätzen: Die Einfahrt nach Kerkyra ist einer der schönsten Momente des ganzen Törns. Die Alte Festung schiebt sich von rechts ins Bild, dahinter die venezianischen Fassaden, und südlich davon liegt die kleine Insel im Wasser, die alle nur die Mäuseinsel nennen.

Wenn Du mehr über die Stadt wissen willst, findest Du unsere Highlights in unserem Beitrag über Kerkyra. Und was es mit dem Klosterinselchen davor auf sich hat, haben wir in unserem Artikel zur Mäuseinsel bei Kanoni aufgeschrieben.

Das Kloster Vlacherna und die Mausinsel Pontikonisi vor der Halbinsel Kanoni auf Korfu

Wind, Wetter und ein bisschen Realismus

Das Ionische Meer gilt als gutmütiges Revier. Im Sommer entsteht am späten Vormittag ein thermischer Wind aus Nordwest, der nachmittags am kräftigsten weht und abends wieder einschläft. Das ist angenehm planbar – man muss es nur wissen und nicht ausgerechnet um 16 Uhr die längste Etappe des Tages fahren wollen.

Vor jedem Törntag lohnt ein Blick in die Seewettervorhersage. Wir nutzen dafür das POSEIDON-System des griechischen Meeresforschungszentrums, das Wind, Wellenhöhe und Strömung für die griechischen Gewässer separat ausgibt. Verlässlicher als jede allgemeine Wetter-App.

Fazit

Korfu vom Wasser aus ist nicht dieselbe Insel wie Korfu von der Straße aus. Die Buchten der Nordostküste erreichst Du an einem einzigen Tag mit einem kleinen Mietboot, und schon das verändert den Blick auf den ganzen Urlaub. Wer mehr will, findet in Gouvia eine der bestausgestatteten Basen Griechenlands und von dort aus ein Revier mit kurzen Wegen und viel Abwechslung.


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